Wer Kunden zu datenschutzkonformer IT berät, sollte den eigenen Betrieb nach denselben Maßstäben führen. Deshalb läuft ein erheblicher Teil meiner eigenen Werkzeuge nicht bei US-Hyperscalern, sondern selbst gehostet auf eigener Infrastruktur in Deutschland. Dieser Beitrag zeigt, was sich bewährt hat – und was Self-Hosting realistisch kostet.
Der Stack
Passwort-Manager: Vaultwarden, eine schlanke, Bitwarden-kompatible Server-Implementierung. Alle gängigen Bitwarden-Clients funktionieren damit, aber die verschlüsselten Tresore liegen auf eigener Hardware. Für einen IT-Dienstleister, der Zugangsdaten für Kundensysteme verwaltet, ist die Frage, wo dieser Tresor liegt, keine Geschmacksfrage.
E-Mail: Mailcow als vollständiger, Docker-basierter Mailserver-Stack für einen Teil meiner Domains – inklusive konsequenter Absender-Authentifizierung. SPF, DKIM und DMARC mit strikter Policy sind dabei Pflicht, nicht Kür: Ohne sie ist jede Domain ein leichtes Ziel für Absenderfälschung, und die Zustellbarkeit der eigenen Mails leidet messbar.
Monitoring: Prometheus, Grafana und Alertmanager als Docker-Stack, mit definierten Alarmregeln und Benachrichtigung per Mail. Dasselbe Prinzip, das ich Kunden für ihre Backups predige, gilt auch hier: Ein System ohne Überwachung ist ein System, dessen Ausfall man vom Kunden erfährt.
Notizen und Dokumentation: Ein selbst gehosteter Joplin-Server für synchronisierte, Ende-zu-Ende-verschlüsselte Notizen über alle Geräte.
Die ehrliche Rechnung
Self-Hosting ist nicht kostenlos – es kostet Betriebsdisziplin. Container-Updates wollen eingespielt, Zertifikate erneuert, Backups getestet werden. Ein Beispiel aus der Praxis: Nach einem Container-Neubau verlor ein Reverse-Proxy die Zuordnung eines TLS-Zertifikats, die automatische Verlängerung lief ins Leere, und Wochen später stand ein Dienst mit abgelaufenem Zertifikat da. Die Lehre daraus war nicht „Self-Hosting funktioniert nicht“, sondern: Zertifikatslaufzeiten gehören ins Monitoring, damit so etwas Tage vorher alarmiert statt hinterher auffällt.
Genau diese Betriebserfahrung ist der Grund, warum ich Self-Hosting bei Kunden nur dort empfehle, wo es einen echten Mehrwert bringt – und wo der Betrieb organisatorisch abgesichert ist. Die Entscheidung lautet nie „Cloud oder selbst gehostet“, sondern: Welche Daten rechtfertigen welchen Aufwand?
Was man daraus mitnehmen kann
Selbst gehostete Dienste in Deutschland sind für sensible Daten eine reale, bezahlbare Alternative zu US-Diensten – wenn drei Bedingungen erfüllt sind: automatisierte Updates und Backups, Monitoring inklusive Zertifikatslaufzeiten, und eine klare Zuständigkeit für den Betrieb. Fehlt eine davon, ist der bequeme Cloud-Dienst die ehrlichere Wahl.
Sie überlegen, welche Ihrer Daten in eine deutsche bzw. selbst gehostete Lösung gehören? Genau dafür bin ich da.


